Ein Gründungsmitglied berichtet:

Normalerweise beginnen solche Berichte immer mit dem Satz: "Die Jugendfeuerwehr XY wurde im Jahr Soundso von Demunddem gegründet…" und dann folgen viele langweilige Seiten Statistik und Mitgliederzahlen. Nee, nicht mit mir! Hier folgt nun ein sehr persönlicher Bericht der Anfänge der JF Stadtmitte:

Das erste an, was ich mich erinnere wenn ich an die JF denke, ist ein Gang mit meinem Vater über den Hof der Berufsfeuerwehr im Winter des Jahres 1988. Er endete bei einem BF Mann namens Falk und der Antwort: "Die Jugendfeuerwehr trifft sich immer Freitags um 18 Uhr in der Holzbaracke da drüben neben dem Hof."

Ja, da war ich fast 10 Jahre alt, aber ich konnte es natürlich kaum erwarten und so trat am darauf folgenden Freitag um 17:55 Uhr (wie gesagt, ich konnte es kaum erwarten…) ein schüchterner kleiner Junge in diese besagte Holzbaracke ein. Dort wurde ich zunächst von Daniel Corzelius begrüßt. Er stellte sich als der frischgebackene Jugendwart vor und stellte mir auch direkt all die anderen vor: eine Elke, ein Markus, ein Lars, eine Andrea, eine Elisabeth, ein Thomas und noch ein paar andere (alle älter als ich, wen wundert's…) saßen da in privaten Klamotten um einen Tisch herum und unterhielten sich. Ich wurde dann recht herzlich aufgenommen und erfuhr, dass sich die Jugendfeuerwehr erst letzte Woche zum ersten Mal getroffen habe und heute der erste "richtige" Übungsdienst stattfinden würde. Außerdem erklärte Daniel, dass für ihn eine Jugendfeuerwehr nun mal zu einer richtigen FF dazugehöre und er deshalb jetzt, nachdem die FF Stadtmitte wiedergegründet worden wäre, auch die JF Stadtmitte gegründet habe. Na, das war doch mal was. Dann griff Dany tief in seine Trickkiste und so wurden erstmal aus Schnürsenkeln C-Schläuche, aus Cola-Kronkorken Angriffstruppführer und Schlauchtruppmänner und aus Büroklammern Verteiler und Standrohre gebastelt. Anhand dieser Utensilien wurde dann in den nächsten Wochen die FwDV 4 (Die Gruppe im Löschangriff) und die FwDV 3 (Die Staffel im Löschangriff) in Theorie und Schnürsenkelpraxis erklärt und geübt und da sowieso regelmäßige Schnürsenkelverknotungen auftraten, wurde auch direkt eine Einweisung in die Knoten/Stiche/Bunde-Technik der Feuerwehr gegeben… Da die meisten von uns vorher noch nie etwas mit der Feuerwehr zu tun hatten, fing Daniel bei Null an und durch seine witzige und interessante Art zu erklären fand er schnell einen guten Draht zu uns -sicherlich nicht einfachen- Jugendlichen.

In diesem Jahr fand auch die erste Weihnachtsfeier der Jugendfeuerwehr statt, mit gegenseitigen kleinen Geschenken, Kuchen, Gitarrenmusik und Cola bis der Bauch schmerzte.

Im darauf folgenden Januar wurde ich dann auch endlich 10 Jahre alt und durch meine Unterschrift unter der Eintrittserklärung auch offizielles Mitglied der Jugendfeuerwehr. Nun durfte ich auch endlich mit dabei sein, wenn nach dem Übungsdienst die Mitglieder der Jugendfeuerwehr mit Feuerwehrfahrzeugen nach Hause gefahren wurden. Das nächste Highlight ließ dann noch einmal einen Monat auf sich warten, aber dann war es endlich soweit: Die Einkleidung! Die fand damals noch auf der Feuerwache 1 statt (Ja, da war mal die Kleiderkammer!) und so begaben wir uns im Gänsemarsch vor den Tresen der Kammer und erhielten -stolz wie Oskar- alle unsere erste Jugendfeuerwehruniform. Die hatte etwa soviel mit der heutigen Jugendfeuerwehruniform zu tun wie die Kuh mit dem Eierlegen, aber sie war unser ganzer Stolz, fühlten wir uns doch nun endlich wie "richtige (Jugend-) Feuerwehrleute". Die Uniform bestand aus einem blauen "Lehrlingsoverall" ("JF-Kombi" genannt) mit komischen Knöpfen auf den Taschen und den Schulter (deren Sinn und Zweck -außer jemandem einen ziemlich dicken blauen Fleck beim Auf-die-Schulter-Klopfen zu machen- mir bis heute unbekannt ist…), einem Gürtel mit Schnalle, Lederhandschuhen und einem orange-roten Helm. Als Schuhe dienten uns private dicke Wanderschuhe ("Knöchelhoch", wie Dany uns einschärfte). Das führte dazu, das ein heilloses Farbdurcheinander bei den Schuhen herrschte, was aber nicht weiter schlimm war, denn der Jugendfeuerwehrkombi war sowieso entweder zu groß (dann sah man die Schuhe nicht) oder zu klein (dann sah man neben den Schuhen auch noch die halbe Jeans unter dem Kombi). Aber das war uns total Hupe, es wurde einfach solange untereinander getauscht, bis jeder halbwegs zufrieden war (Daniel: "Da wächst Du schon noch rein…"). So ausgerüstet stand unserem ersten praktischen Übungsdienst nun nichts mehr im Wege und schon am nächsten Freitag sollte das theoretisch geübte mit dem HDF der FF Stadtmitte in die Praxis umgesetzt werden.

Soooo einfach war das aber nicht!

Das HDF war ein -schon damals- uralter Magirus Deutz, welcher vor Urzeiten mal ein TroTLF der BF gewesen war und dann zum Heißwasser-Dekontamination-Fahrzeug (HDF) des GABC Zuges umgebaut wurde. Die Kiste hatte soviel mit einem Löschfahrzeug gemeinsam wie mein Twingo mit Schumi's Ferrari, aber das war uns ziemlich egal, es hatte Wasser dabei, ein Standrohr, Verteiler und Schläuche und so stand der FwDV 3 nichts mehr im Wege. Die FwDV 4 konnte auch geübt werden, jedoch musste dann auf das Aufsitzen verzichtet werden, da das HDF nur eine Staffelkabine zu bieten hatte… Wir übten und übten in "Dany's Garten" (Übungsgelände der Feuerwehr Wiesbaden: Fort Biehler) und allmählich konnte man in dem ganzen orange-behelmten Gewusel so etwas wie ein System erkennen und nun war es endlich soweit: Wir konnten unser Können auch unseren Eltern beweisen. Dazu diente eine Art Frühlingsfest mit den Eltern auf dem Fort Biehler, in dessen Anschluss eine Löschvorführung der Jugendfeuerwehr folgte. Als Übungsobjekt diente ein großer Haufen brennender Grünschnitt und da die Anfahrt der Übungsgruppe standesgemäß wenigstens mit Blaulicht erfolgte, standen wir vor dem Problem eine Löschgruppe in einem Staffelfahrzeug unterbringen zu müssen. Aber auch das gelang irgendwie (eng war es…) und so wurde das Feuer von 8 hoch motivierten Jugendfeuerwehrleuten -von denen die Jüngsten kaum größer erschienen als das Hinterrad des Fahrzeuges- mit reichlich Wasser aus 2 C-Rohren und einem Schnellangriffsrohr bekämpft.

Derart motiviert wurden wir dann kurze Zeit später von der Kleiderkammer der Feuerwache 1 mit neuen Jugendfeuerwehrjacken ausgestattet. Diese ziemlich hässlichen und unmöglich geschnittenen blauen Jacken sollten uns mitsamt dem mitgelieferten Innenfutter vor etwaigen Wettereskapaden schützen. Naja, einen Vergleich zu den heutigen wind- und wasserdichten, mit reflektierenden Streifen und auffälligen orangenen Schultern ausgestatteten High-End-Mänteln der Jugendfeuerwehr erspare ich mir besser…

Auf jeden Fall wurde jetzt in unsere praktische Ausbildung auch immer mehr das Ausbildungs-LF der Berufsfeuerwehr mit einbezogen. Das war zwar genauso alt wie das HDF, war jedoch zumindest ein richtiges "Löschfahrzeug" mit einer Gruppenkabine und allem was noch so dazu gehörte. Sogar -wir staunten- eine Schlauchhaspel war verladen (Das eine "Haspel" nicht zu Essen war, hatten wir ja inzwischen gelernt, jedoch fehlte dieses wichtige Feuerwehrdetail auf unserem HDF gänzlich!).

Natürlich unternahmen wir neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung auch viel anderes. So besuchten wir die US Feuerwehr in Mainz-Finthen, wo man uns zeigte, wie man einen angenommen PKW Brand auch mit zwei amerikanischen Amertek Löschfahrzeugen löschen kann (ohne auszusteigen…). Auch wurden von uns regelmäßig Weihnachtsfeiern mit den Eltern organisiert, unvergessen bleiben dabei die Auftritte diverser "Nikoläuse"!

Kurz darauf bekam die FF Stadtmitte dann auch endlich ihr erstes "richtiges" Löschfahrzeug, ein LF 16-TS (Florian Wiesbaden 10/45). Nun war es also endlich möglich mit unserem eigenen Fahrzeug zu üben! Da dieses immer besser klappte, waren wir nun auch willens unser Können in der Öffentlichkeit zu beweisen und so nahmen wir die Einladungen zu Löschvorführungen anlässlich der Schulfeste der Werner-von-Siemens und der Fritz-Gansberg-Schule gerne an und präsentierten uns dort von unserer besten Seite. Während der Vorführung an der Werner-von-Siemens-Schule bekamen wir auch direkt einen Einblick in das komplizierte Arbeiten eines "richtigen" Feuerwehrmannes, da der für die Wasserversorgung eigentlich vorgesehene Hydrant zugeparkt war und erst ein weiterer gesucht werden musste, welcher sich jedoch erst von den kräftigen Händen des Maschinisten Harry öffnen lies. Dementsprechend verzögerte sich zwar die Wasserabgabe aus den aufgebauten Strahlrohren, was jedoch durch den anschließenden Effekt der gleichzeitigen Wasserabgabe aus drei Strahlrohren mehr als wettgemacht wurde.

Es folgten weitere Übungen mit mehreren Jugendfeuerwehren in Bierstadt und auf dem Gelände der ESWE Versorgungsbetriebe, sowie gemeinsamere Besuche des Frankfurter Flughafens und der Bereitschaftspolizei in Wiesbaden mit allen Wiesbadener Jugendfeuerwehren. Der Besuch des Frankfurter Flughafens mit Flughafenrundfahrt und Besichtigung der Feuerwache an der Startbahn West war ebenso ein unvergessenes und einmaliges Erlebnis wie das Erklimmen eines Wasserwerfers der Polizei in der Mudra Kaserne in Mainz-Kastel oder die Fahrt im Korb der Drehleiter der Feuerwache 3 auf dem Fort Biehler.

Auch an den jährlichen Umwelttagen beteiligten wir uns, so wurde der Wald am Neroberg von uns von Müll befreit und an den Tag-der-offenen-Türen der Berufsfeuerwehr unterstütze die Jugendfeuerwehr den Stadtjugend-feuerwehrverband bei der Ausrichtung der Kinderbelustigung, was mehr als einmal zu Blasen an den Füßen der Jugendfeuerwehrmänner und -frauen führte.

Aufgrund des gestiegenen Ausbildungstands der Jugendfeuerwehr wurde nun auch erstmals an dem Wettkampf der Jugendfeuerwehren aus Wiesbaden teilgenommen, der Lohn der vielen Übungen und Ausbildungen ist heute noch bei der Jugendfeuerwehr zu bewundern: Der erste Pokal in der Geschichte der JF Stadtmitte! Zugegebenermaßen nicht mal ein Viertel so groß wie der größte Pokal, der heute das -ziemlich große- Pokalbord der JF schmückt, jedoch war es unser Erster und wir mit Recht ziemlich stolz darauf!

Es folgten regelmäßige Teilnahmen an dem JF Fußballturnier in Nordenstadt, an denen wir ehrlich gesagt eher schlecht als recht spielten, aber der olympische Gedanke zählte…

Als uns der Ruf der Jugendfeuerwehr aus Dotzheim ereilte, ob wir bereit seien deren Leistungsspangengruppe zu ergänzen, waren wir natürlich mit Feuer und Flamme dabei. Es wurde geübt und geübt, Theorie und Praxis gebüffelt und dann kam der große Tag der Abnahme auf dem Sportplatz Kleinfeldchen: Kugelstoßen, Staffellauf, eine Schnelligkeitsübung, ein Löschangriff und eine mündliche Prüfung (abgenommen von dem damaligen Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Wiesbaden Herrn Ltd. BD Willi Döbbemann) mussten bewältigt werden, bis dann nach der Auszählung aller Teilergebnisse feststand, dass die gemischte Gruppe der JF Dotzheim/Stadtmitte die erforderliche Punktzahl erreicht und sogar das beste Resultat aller teilnehmenden Gruppe erzielt hatte! Leider konnten jedoch nicht allen teilnehmenden Jugendfeuerwehrmitgliedern die Leistungsspange überreicht werden, da der Schreiber dieser Zeilen damals das erforderliche Alter von mindestens 15 Jahren noch nicht aufweisen konnte. Ein Umstand der umso schmerzlicher ist, als das in den folgenden Jahren keine Leistungsspangengruppe mehr zustande kam und er, also ich, ohne die begehrte Auszeichnung in die Einsatzabteilung wechseln musste.

Aber zurück zur Geschichte der JF bzw. den Geschichten der JF. Gleich zweimal beteiligte sich die JF an der gemeinsamen Wochenendfahrt aller Teileinheiten der FF Stadtmitte in das Ausbildungsgelände der Akademie für Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Geschlafen wurde dort in Hochbetten in einer Baracke und neben zwei Nachtübungen und vielen Tagübungen blieben wohl allen vor allem die Rugbyspiele in lebhafter Erinnerung. Hierbei ging es weniger ums Gewinnen als vielmehr darum, diesen blöden Rugby Ball irgendwie aus den Händen des Rettungshundestaffelführers Stefan zu bekommen. Gleich zwei Jahre lang versuchten wir mit allen uns Jugendlichen zur Verfügung stehenden fairen und naja, "halbfairen" Mitteln ihn zu Fall zu bringen, doch selbst eine Traube von 8 Jugendlichen an, um und auf ihm brachte nicht den gewünschten Erfolg…

Wir nahmen auch an mehreren Veranstaltungen außerhalb Wiesbadens teil, so wurde beispielsweise an einer Wanderrallye in Weiler ein sehr guter Platz belegt.

Ein weiteres Kapitel der JF Stadtmitte begann mit dem Umzug der FF Stadtmitte aus der Holzbaracke in ihre jetzige Unterkunft am Werkstatthof. Die nun freigewordene Holzbaracke diente der Jugendfeuerwehr als Unterkunft und nach einer großen Aufräumaktion standen der JF nun ein Spind- und Umkleideraum, sowie ein Ausbildungsraum zur Verfügung. Alles sehr spartanisch und klein, aber immerhin musste man sich die Baracke nicht mehr mit der restlichen FF teilen und besaß nun endlich etwas "eigenes".

Kurz nach dem Umzug der FF in ihr neues Domizil wurde auch eine Veränderung im Fuhrpark der FF durchgeführt, das LF 16-TS wurde der FF Delkenheim übergeben und wir bekamen ein nagelneues LF 8/6 (Florian Wiesbaden 10/42).

Kurz nach der Übergabe dieses Fahrzeuges war es dann bei dem Autor dieser Zeilen soweit. Er hatte das erforderliche Alter erreicht und machte als jüngstes Gründungsmitglied der JF Stadtmitte seinen Grundlehrgang und wurde in die Einsatzabteilung aufgenommen.

Zurückblickend gäbe es noch einiges mehr zu berichten, schließlich sind 7 Jahre Jugendfeuerwehr eine lange und aufregende Zeit! Aber hier sollte es ja hauptsächlich um die Anfänge unserer JF gehen und wer wäre bei unserer JF, so wie sie heute dasteht, schon darauf gekommen, dass alles im Winter 1988 in einer kalten, miefigen Holzbaracke in Zivilklamotten und mit vielen Schnürsenkeln angefangen hat?!

BM Holger Hagen (stellv. WeFü)


Jugendwarte seit der Gründung
von bis Name
1988 1991 Daniel Corzelius
1991 1992 Olaf Müller
1992 1996 Dagobert Doos
1996 1997 Werner Rossel
1997 2000 Björn Christ
2000 2016 Verena Christ
2016 Torsten Hartel


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